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Schach WM London 2018 Fabiano Caruana vs. Magnus Carlsen (Spiel 11)

Beendet
11. Partie

a
b
c
d
e
f
g
h
a
b
c
d
e
f
g
h
8
7
6
5
4
3
2
1
8
7
6
5
4
3
2
1
Fabiano Caruana
5,5
Magnus Carlsen
5,5
Zug
 
 
55.
Lf2 - Lc2
54.
f5 - Lb1
53.
Kf6 - La2
52.
Ke7 - Lb3
51.
f4 - La2
50.
h4 - Lb3
49.
Kf6 - La2
48.
Kg5 - Lb3
47.
Kxg4 - La2
46.
g4 - hxg4
45.
Kg5 - Ld5
44.
Kf4 - Le6
43.
Ke5 - Ld5
42.
Le3 - Le6
41.
Lh6 - Ld5
40.
c5 - Le6
39.
bxc4 - Lg4
38.
Kd4 - bxc4
37.
c4 - Le6
36.
Kd3 - Lg4
35.
b3 - Ld1
34.
Lf8 - Kc6
33.
g3 - Le2
32.
Kd4 - g6
31.
Ke3 - Kd7
30.
Lxc5 - h5
29.
Lxd6+ - Ke8
28.
Lc7 - b5
27.
a3 - Kf8
26.
Kxd2 - a6
25.
Lf4 - Txd2
24.
Kc1 - b6
23.
Td2 - Lxc4
22.
Lxd6 - Td8
21.
Txd6 - Txd6
20.
Txd3 - Td7
19.
Lf4 - Sxd3
18.
Te2 - Se5
17.
Sxe7+ - Txe7
16.
Sg6 - Sg4
15.
Sh4 - Tfe8
14.
Lxd2 - h6
13.
c4 - Dxd2
12.
Kb1 - Da5
11.
The1 - Le6
10.
Ld3 - c5
9.
O-O-O - Sf6
8.
Dd2 - Sd7
7.
Le3 - O-O
6.
dxc3 - Le7
5.
Sc3 - Sxc3
4.
Sf3 - Sxe4
3.
Sxe5 - d6
2.
Sf3 - Sf6
1.
e4 - e5
Live-Ticker
 
Das war es für heute aus London. Bernd Schroller bedankt sich für Ihr Interesse. Das große Finale steigt am Montag ab 16 Uhr an dieser Stelle. Bis dahin!
Seit der Wiedervereinigung der beiden Weltmeistertitel im Jahr 2006 wurden mit einer Ausnahme alle WM-Kämpfe im jetzigen Format über zwölf Runden und anschließendem Tiebreak ausgetragen. Mehrfach gab es dabei in der elften Partie eine Entscheidung. Nur beim 2010er-Finalkampf zwischen Viswanathan Anand und Veselin Topalov erlebten die Zuschauer auch in der zwölften Runde eine Gewinnpartie, mit der der Inder seine Krone verteidigte.
Aber natürlich hinterlässt diese Partie eine leichte Enttäuschung beim Betrachter. Nach der aufregenden zehnten Partie hatten die meisten Zuschauer wohl auf eine Fortsetzung gehofft. Es ist nun irgendwie schwer vorstellbar, dass Carlsen und Caruana im heißen Finale am Montag ins ganz große Risiko gehen. Zu groß ist einfach die Versuchung, es lieber über vier Schnellpartien im Tiebreak zu versuchen.
Carlsen zeigt sich bei der anschließenden Pressebefragung mit seinem Übergang ins Mittelspiel nicht zufrieden. Entsprechend hat er sich für eine Vereinfachung entschieden, die ihm zumindest die leichte Initiative versprach.
Auch die elfte Partie der WM endet in der Punkteteilung. Nun bleibt den beiden Kontrahenten am Montag nur noch eine Möglichkeit, den Wettkampf im regulären Partienformat für sich zu entscheiden. Doch der mögliche Tiebreak rückt in greifbare Nähe.
Remis
53. ... La2 54.f5 Lb1 55.Lf2 Lc2 0,5 : 0,5
Carlsen versucht es noch einmal mit seinen Bauern am Königsflügel, doch Caruana umschifft die möglichen Klippen locker.
47. La2 48.Kg5 Lb3 49.Kf6 La2 50.h4 Lb3 51.f4 La2 52.Ke7 Lb3 53.Kf6
Nun muss Caruana nur aufpassen, dass Carlsen seinen f-Bauern nicht nach f5 bekommt, ohne dass er mit seinem Läufer das Feld kontrolliert und sich Weiß so vielleicht einen weiteren Freibauern auf der h-Linie organisiert.
41. ... Ld5 42.Le3 Le6 43.Ke5 Ld5 44.Kf4 Le6 45.Kg5 Ld5 46.g4 hxg4 47.Kxg4
Carlsen verschafft sich nach dem Tausch einen Freibauern, der vom schwarzen König blockiert wird. Alle weißen Bauern befinden sich auf schwarzen Feldern, bei Caruana ist es umgekehrt. Sein Läufer deckt nach Bedarf die eigenen schwachen Bauern auf a6 und f7.
38.Kd4 bxc4 39.bxc4 Lg4 40.c5 Le6 41.Lh6
Carlsen aktiviert nun seine Bauernmehrheit am Damenflügel. Er will sich einen Freibauern schaffen, der dann aber ohne größere Probleme vom schwarzen Läufer blockiert wird.
35.b3 Ld1 36.Kd3 Lg4 37. c4 Le6
Vor zwei Jahren sollte Carlsen mit seinem schnellen Remisschluss in der zwölften Partie übrigens Recht behalten mit der Einschätzung, in den vier Schnellpartien bessere Chancen auf den Titel zu haben als sein Gegenüber Karjakin. Sollte die heutige Partie also Unentschieden enden, stellt sich für beide Seiten natürlich erneut die Frage der Taktik für die zwölfte Runde. Mit Blick auf die Großereignisse im Schnell- und Blitzschach spricht die Statistik sicher eher für Carlsen.
32. ... g6 33.g3 Le2 34. Lf8 Kc6
Die 30 Züge sind erreicht, nun dürften sich beide Spieler auf das Remis einigen. Aber Carlsen scheint mit dem Mehrbauern noch einmal Lust auf mehr bekommen zu haben und spielt noch ein wenig.
31.Ke3 Kd7 32.Kd4
Caruana zentralisiert auf Kosten eines Bauern seinen König. Er wird nun seine restlichen Bauern auf weiße Felder bringen und damit jede Spannung aus der Partie nehmen. In Endspielen mit verschiedenfarbigen Läufern kann eine Seite oft zwei oder sogar drei Bauern weniger auf dem Brett haben und trotzdem ohne echte Probleme das Remis erreichen, weil Läufer und König im Zusammenspiel alle Schwächen unter Kontrolle haben und nicht angegriffen werden können.
27.... Kf8 28.Lc7 b5 29.Lxd6+ Ke8 30.Lxc5 h5
Caruana überlegt nach Carlsens Bauernzug. Er hat den kleinen Nachteil, dass sein König nicht so zentral steht wie der weiße.
Spannend war dann eher Carlsens taktisches Vorgehen in der zwölften Runde, die an heute erinnert. Er hatte Weiß und damit die Chance, als Anziehender das Risiko zu suchen. Doch entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten entschied sich Carlsen für eine sehr schnelle Abwicklung in ein völlig ausgeglichenes Spiel. Nach nur 40 Minuten einigten sich beide Spieler in der schnellsten Partie der WM-Geschichte auf ein Remis.
27. a3
In seinem vierten WM-Kampf muss Carlsen erst zum zweiten Mal über die volle Distanz von zwölf Partien gehen. Bei seiner Titeleroberung 2013 in Chennai reichten dem Norweger gegen Viswanathan Anand noch zehn Runden bis zur Krone, ein Jahr später verteidigte er nach elf Runden den Titel. Vor zwei Jahren ging das Duell gegen Sergey Karjakin in die Verlängerung.
25. ... Txd2 26.Kxd2 a6
Damit bietet Carlsen den Tausch der Türme an. Es bleibt ein Endspiel mit verschiedenfarbigen Läufern und einer komplett symmetrischen Bauernstruktur. Das ist für keinen der beiden Kontrahenten zu gewinnen.
21.Txd6 Txd6 22.Lxd6 Td8 23.Td2 Lxc4 24.Kc1 b6 25.Lf4
Zwar hängt nun der Bauer auf d6, doch nach 20. Txd6 Txd6 21. Lxd6 Td8 droht Caruana mit dem Grundlinienmatt auf d1 und wird so den Bauern zurückerobern.
20. ... Td7
Beide Seiten spielen nun sehr schnell. Es tauschen sich jeweils der Springer und ein Läufer vom Brett. Nun bleibt eine Stellung übrig, die nur noch sehr wenig Chancen bietet, um den ganzen Punkt zu spielen. Da liegt nun das elfte Remis im Raum, doch bis zum 30. Zug muss noch gezogen werden.
16. ... Sg4 17.Sxe7+ Txe7 18.Te2 Se5 19.Lf4 Sxd3 20.Txd3
Carlsen zieht postwendend seinen Springer nach g6. Das sieht kurios aus, aber Caruana darf die Figur nicht schlagen, denn nach 16. ... fxg6 17. Txg6 steht Weiß sehr aktiv auf der offenen e-Linie und hat die Initiative.
15.... Tfe8 16.Sg6
Carlsen möchte mit seinem Springer nach f5, dort greift er sowohl den Läufer auf e7 als auch den rückständigen Bauern auf d6 an. Auch wenn die Stellung ausgeglichen ist: Der Weltmeister kann vermutlich leichter Pläne entwickeln und muss nicht nur reagieren. Diese Stellung mit eher langfristigen Stellungsverschiebungen sollte dem Norweger liegen.
Karjakin hat heute nicht nur den ersten Zug ausgeführt, er hat für die Partie auch einen Vorgänger geliefert. Im Vorjahr hatte er gegen Pentala Harikrishna die Stellung bis zum 11. Zug auf dem Brett. Der Russe setzte dann aber im Gegensatz zu Carlsen mit 12. Lg5 fort. Und opferte nach ... h6 14. Lxh6 c4 15. Lxg7 cxd3 einen Läufer, bekam dafür aber starke Initiative am Königsflügel, die er für eine Abwicklung in ein gewonnenes Endspiel nutzte.
15. Sh4
Hier hat nun auch Caruana erstmals etwas länger überlegt und damit angedeutet, dass seine Vorbereitung ausgereizt ist. Der Bauer auf h6 verhindert Sg5, den Carlsen sicherlich gern gespielt hätte.
14. ... h6
Carlsens (logischer) Königszug war die erste echte Neuerung des Tages. Caruana ergreift die Initiative und schaut mit seiner Dame nach a2. Der Damentausch entschärft die weiße Stellung sofort, Weiß steht nun etwas besser entwickelt mit seinen Türmen im Zentrum und hat einen Blick auf die Schwäche d6.
13. c4 Dxd2 14.Lxd2
Es war natürlich ein Scherz, denn die sogenannte Orang-Utan-Eröffnung werden wir bei WM-Kämpfen wohl niemals auf dem Brett sehen. Der sowjetische Schachmeister Alexei Sokolski beschäftigte sich nach dem 2. Weltkrieg intensiv mit diesem Zug und wandte ihn auch in Partien der Weltspitze an, doch heute findet sich dieser ungewöhnliche Bauernvorstoß meist nur auf mittlerer Vereinsebene wieder.
12.Kb1 Da5
Jeden Tag führt ein Prominenter den ersten Zug aus. Heute war es Sergey Karjakin, der Carlsen-Herausforderer von 2016, der eröffnete. Carlsen machte sich aus dieser Situation einen kleinen Spaß und offerierte, dass er mit 1. b4 beginnen möchte.
Carlsen zentralisiert nach zehnminütiger Bedenkzeit seinen Turm von der Königsseite und folgt damit den bisherigen gespielten Partien nach 10. c5. Caruana antwortet postwendend. Auch wenn er diese Stellung zum ersten Mal spielt, er ist sehr vertraut mit der Russischen Verteidigung.
11.The1 Le6
Carlsen antwortet auf die kurze Rochade mit der langen. Diese Stellung bietet beiden Seiten die Möglichkeit, auf verschiedenen Flügeln einen Königsangriff zu starten. Beide Spieler hatten diese Variante in ähnlicher Form schon im August auf dem Brett, damals konnte Carlsen mit Weiß aus seiner vorteilhaften Stellung keinen Gewinn generieren.
Die ersten zehn Züge werden sehr schnell gespielt, erst dieser Bauernzug weicht von den häufig gespielten Varianten etwas ab. Carlsen nimmt sich für seinen elften Zug Zeit.
1. ...e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 5.Sc3 Sxc3 6.dxc3 Le7 7.Le3 O-O 8.Dd2 Sd7 9.O-O-O Sf6 10.Ld3 c5
Carlsen wählt heute wieder den Königsbauern und bietet dem Herausforderer die Russische Verteidigung an.
11. Partie
1. e4
vor Beginn
Die Spieler betreten den Raum, heute hat wieder Magnus Carlsen Weiß. Vor drei Tagen entschied er sich für die Englische Eröffnung, die ihm zum ersten Mal während dieses Turniers als Anziehender einen Stellungsvorteil brachte. Bernd Schroller begleitet Sie durch diesen elften Tag in London.
Unentschieden
Doch der materielle Vorteil brachte nichts mehr, das Endspiel war theoretisch remis. So geht es beim Stand von 5:5 in die verbleibenden zwei Partien. Bringen auch die keine Entscheidung, dann folgt am Mittwoch der Tiebreak mit Schnell- und vielleicht sogar Blitzpartien.
Endspiel
Caruana wählte ungewöhnliche Bauernzüge in der Verteidigung, in Zeitnot entschied sich Carlsen für eine Vereinfachung. Es blieb ein Doppel-Turmendspiel auf dem Brett, das in der allgemeinen Einschätzung während der Partie eher für Carlsen sprach. Doch der Herausforderer verteidigte ohne Fehler und hatte am Ende die Trümpfe in Form eins Mehrbauern eher auf seiner Seite.
Pläne
Wie schon in der achten Runde ließ Fabiano Caruana in der Sizilianischen Verteidigung von seiner geliebten Rossolimo-Variante ab und sich auf die Sveshnikov-Variante ein. Dieses Mal zeigte sich Carlsen besser präpariert. Es entstand ein für diese Variante sehr typischer Bauernaufbau mit weißen Plänen am Damenflügel und schwarzer Angriffsoption auf der gegenüberliegenden Seite.
Abwechslung
Zwar fehlte der Partie die brillante Kombination, doch das ständige Hin und Her und die sehr unterschiedlichen Pläne auf beiden Seiten ließen uns Außenstehende einem Spiel beiwohnen, das so auch im Schach sehr ungewöhnlich ist. Meistens sieht man die eine Seite angreifen und die andere verteidigen.
Spannung
Die zwei besten Spieler der Welt liefern sich weiter ein hochpackendes Duell auf Augenhöhe. Auch die zehnte Partie endete am Freitag zwar remis, doch die Akteure lieferten sich vielleicht eine der wechselseitigsten WM-Partien der jüngeren Schachgeschichte, die keinen Sieger fand.
vor Beginn
Herzlich willkommen zur Schach-WM 2018 in London. Fabiano Caruana fordert den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen heraus.
Neue Ereignisse